hat eine neue Frage erstellt.
Am Dienstag, den 19.06.2012, früh um 1:01 Uhr gings mit der S-Bahn von Dresden nach Pirna und von da mit dem Taxi in den Liebetaler Grund, dem Anfang des Malerwegs.
Ich hatte mich in den Monaten vorher größtenteils mit meiner Freundin auf diese Wanderung vorbereitet, in dem wir alle Teilstrecken - 8 an der Zahl - vorgewandert sind, um dann nicht im Ernstfall uns zu verlaufen. Dabei sind wir aber maximal 30 km gelaufen...und dieses Mal sollten es gleich 112 werden.
1:37 gings dann mit Stirn- und Taschenlampe im Liebethaler Grund los. Damit ich nachts nicht alleine unterwegs sein musste, hat mich auf dieser Etappe meine Freundin begleitet. Es ist schon echt ein mulmiges Gefühl bei absoluter Stille durch die Nacht zu wandern. Da dieses Gefühl nicht wirklich entspannt war, hatten wir den Liebethaler Grund recht schnell hinter uns gelassen und uns gefreut als langsam die beleuchteten Straßen und Häuser Lohmens zu sehen waren. Nach der kurzen Dorfdurchquerung gings in den Uttewalder Grund. Da es nun schon kurz vor 4 Uhr war, konnte man auch schon ohne Lampe recht gut sehen. Nach 3,5 h war die erste Etappe geschafft und wir frühstückten an der Burgruine in Wehlen.
Da meine Freundin die Nacht vorher schon kaum geschlafen hatte, verlies sie mich in Wehlen und sollte mir in der 5. Etappe - wiederrum nachts - beistehen.
Die 2. Etappe von Wehlen nach Hohnstein, am Steinernen Tisch vorbei, über die Basteibrücke, durch Rathewalde und über den Hockstein, lief ich also allein. Da es nun hell und ich frisch gestärkt war, war ich bereits 8:30 am Ziel. Laut Wanderführer sind 5h für diese Etappe angesetzt, in 3,5h ist sie aber auch problemlos wanderbar.
In Hohnstein bin ich nach bereits 25 gewanderten Kilometern kurz vom Malerweg runter, um an der Schule meine Begleitung für die nächsten beiden Etappen abzuholen - meine Großcousine Anett. Da sie sowohl fit als auch frisch war, gings die nächchsten 11,7 km nach Altendorf sehr zügig. Allgemein ging es mir sehr gut, auch wenn mir schon bei der 1. Etappe die linke Schulter weh tat. Irgendwann hab ich die gar nicht mehr gemerkt. Nach 30 km (wie gesagt, das war als Vorbereitung die längste Strecke) kamen zwar Ermüdungserscheinungen des Rückens, der Füße und Beine auf, doch ich war guter Dinge die 59 km bis zum Zeughaus - meiner Übernachtungsstelle - zu schaffen.
Der schwierigste Teil in Etappe 3 waren kurz nach unserer Rast an der Brandaussicht, die Brandstufen in den Tiefen Grund und auf der anderen Seite die Stufen nach Waitzdorf wieder hinauf. Bis zur Kohlmühle ging es dann recht gemächlich bergab und erst auf den letzten 2,5 km wieder bergan nach Altendorf.
Ohne weitere Verzögerung oder Pause ging es Richtung Neumannmühle. Etappe 4 ist meines Erachtens nach die schwerste, dich gefolgt von Etappe 5 - also alles noch Strecke, die heute bewältigt werden wollte und sollte. Mit 17,6 km ist sie außerdem die längste, wenn auch mit die schönste.
Meine Beine ließen mich langsam ihren Unmut spüren, doch ich war immer noch beeindruckt, wie gut es lief. Über Stiegen, Treppen, Anstiege, aber auch Abstiege ging es langsam aber sicher Richtung Schrammsteinaussicht. Von da aus bis zum Carolafelsen geht es zwar laut Höhenprofil kaum bergauf, doch die bisher gelaufenen Kilometer und die konzentrationsfordernden Wurzelwege sind nicht ohne. Der Abstieg am kleinen Dom vorbei, durchs Sandloch über den Unteren Affensteinweg, Richtung Beuthenfall war sehr anstrengend, da jeder Schritt stauchte und man keinen richtigen Rhythmus finden konnte. Das kurze Stück vom Beuthenfall zum Lichtenhainer Wasserfall gings im Kirnitzschtal auf der Straße entlang. Da aber eh gebaut wurde, musste man sich um den Verkehr keine Sorgen machen. Da meine 3-Liter-Trinkblase sich zügig leerte, war ich froh, dass ich für 2,50€ kühles Quellwasser am Lichtenhainer Wasserfall nachfüllen konnte. Nach der kurzen Pause, ging es zum letzten Anstieg in dieser Etappe, hinauf zum Kuhstall. Ich war langsam soweit, dass ich mich mehr über Aufstiege als Abstiege freute, da diese zwar Kraft kosteten, jedoch die Beine und Knie weniger belasteten. Ich war echt langsam kaputt und machte mir noch keine Gedanken, wie ich denn 2/3 der 5. Etappe noch schaffen sollte.
Gegen 19 Uhr, also 17,5h und 54 km nach dem Start, erreichten wir ziemlich erschöpft die Neumannmühle. Ich war zwar froh jetzt noch 30 min Pause machen zu können, bevor meine Freundin mit mir zur nächsten Etappe aufbrach, wusste aber nicht, ob ich mich vom Sitzen noch mal hoch komme. Meine Muskeln in den Beinen fühlen sich ziemlich verkürzt an, sodass ich sie gar nicht mehr richtig durchdrücken konnte. Aber ich musste ja nur noch 5 km schaffen, bevor es die verdiente Nachtruhe gab.
Punkt 19:30 Uhr machten wir uns auf zu den letzten 5 bis 6 Kilometern des Tages. Wir haben ganze 3h bis zum Zeughaus gebraucht, also nicht einmal 2 km/h gelaufen. Die An- und Abstiege bis dahin sind aber auch wirklich hart. Außerdem dämmerte es schon und das Licht kam durch die dichten Baumkronen kaum noch bis zum Boden. 1 Stunde vor Ankunft am Zeughaus, hieß es also wieder Stirnlampe an schalten.
Jeder Schritt brannte in den Fußsohlen, den Knien und den Oberschenkeln. Den Waden ging es noch verhältnismäßig gut, da ich die komplette Strecke Kompressionssocken anhatte. 22:30 kamen wir dann völlig erschöpft am Zeughaus an. Ein Nebengebäude war eine Wandererbaute, die eine Holzveranda besaß. Dort rollte ich meinen Schlafsack aus und machte es mir - soweit es ging - gemütlich. Meine Freudin wollte nicht schlafen, da sie sich ja tagsüber ausreichend erholt hatte. Außerdem war ihr das Nächtigen im Freien nicht geheuer. Wir hatten Glück, denn neben der Terrasse konnten wir eine Lampe an schalten, sodass wir nicht im Stockdunkeln sitzen bzw. liegen musste.
Wenn man erst einmal liegt, merkt man erst einmal, was einmal tatsächlich alles weh tut. Meine Füße fühlten sich an, als ob sie immer mehr aufquellen würden und mein Rücken tat in jeder Liegeposition weh. Kurzum, ich konnte absolut nicht schlafen. Aller 15 min schaute ich auf die Uhr und realisierte langsam, dass wenn ich nicht etwas Schlaf bekommen würde, ich keine Möglichkeit sah, den 2. Teil des Malerwegs zu schaffen.
Leider bewahrheitete sich diese Befürchtung. Circa 3:30 Uhr entschieden wir uns die Wanderung abzubrechen, da es einfach die vernünftigste Entscheidung war. 5 min nachdem wir uns auf direktem Wege Richtung Neumannmühle machten, fing es an stark zu gewittern. Der einhergehenede Platzregen war uns ziemlich egal, da wir nur noch ins Kirnitzschtal wollten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten überhaupt wieder in Tritt zu kommen, ging es die nächste Stunde wieder relativ gut, auch wenn alles weh tat. Im Kirnitzschtal fuhr auf Grund der Bauarbeiten natürich kein Bus, doch immerhin hatte ich Handyempfang, um uns ein Taxi zum Lichtenhainer Wasserfall zu bestellen. Wir waren froh anschließend wieder in der S-Bahn Richtung Dusche und Bett zu sitzen, auch wenn bei mir etwas Wehmut mitschwang, meine Langstreckenwanderung nicht beendet zu haben. Mit einer intensiveren Vorbereitung wird die Strecke nächstes Jahr aber evtl. wieder in Angriff genommen.
Bilanz der Wanderung (bis zur Übernachtung):
- 21h für 59 km gebraucht (inkl. Pausen)
- ca. 4 Liter getrunken
- gegessen: 3 Knoppers, 1 Powerbar-Riegel, 4 belegte Brötchen, 2 Landjäger, eine halbe Tupperdose Nudelsalat, 1 Apfel
- die folgenden 2 Tage abartiger Muskelkater




Kommentare
grithiel 27.06.12
Wahnsinn! Mit Abstand der beste Bericht den ich hier bisher gelesen hab. Richtig zum mitfühlen! :)
Robert (nicht überprüft) 25.06.12
Danke für diesen Bericht! Schade das es nicht geklappt hat! ...umso schöner finde ich, dass du trotzdem darüber schreibst.
Ich wünsche dir viel Erfolg :-)
BobbyHalen 24.06.12
Bei deinem Bericht kann ich den Muskelkater regelrecht mitspüren ;-)
Benni (nicht überprüft) 23.06.12
Großartiger Bericht! Ich habe richtig mitgefiebert. Nächstes Mal bist du klüger und stärker:D
Kommentar hinzufügen